Mechthild Veil/Karin Prinz/Ute Gerhard (Hrsg.):
Am modernen Frauenleben vorbei
Verliererinnen und Gewinnerinnen der Rentenreform 1992

Berlin 1992, edition sigma

Inhalt

Teil I
Frauenleitbilder und Etappen bundesrepublikanischer Frauenpolitik
Ute Gerhard


Teil II
Verliererinnen und Gewinnerinnen der Rentenreform 1992 - Auswirkungen des Rentenreformgesetzes '92 auf Frauen aus den alten und den neuen Bundesländern
Mechthild Veil


Teil III
Lebens- und Erwerbsverläufe von Frauen zwischen Kindererziehung, Beruf und eigener Existenzsicherung
Karin Prinz


Teil IV
Lebens- und Berufsverläufe von Frauen in der DDR
Renate Johne (unter Mitarbeit von Brigitte Weichert)




Einleitung

Das Buch ist aus einem Forschungsprojekt zur "Geschlechtsspezifischen Analyse des Rentenreformgesetzes auf dem Hintergrund der Lebensverläufe von Frauen" entstanden, das von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert wurde. Die Arbeit, die sich nicht nur als eine fachspezifische Analyse der Rentenprobleme versteht, behandelt die bisher ungenügende Alterssicherung von Frauen als Brennspiegel, in dem sich die vielfältigen, bisher noch nicht gelösten Probleme der Benachteiligung von Frauen, der geschlechtshierarchischen Arbeitsteilung und der Widersprüche im weiblichen Lebenszusammenhang bündeln.
Das Motiv für die Entwicklung dieses Forschungsprojektes war die unbefriedigende Lösung der Rentenprobleme von Frauen auch nach der Rentenreform von 1986, die die Einführung der Kindererziehungszeiten und der Witwerrente (HEZG) brachte. Denn in der darauf folgenden Diskussion für ein Rentenreformgesetz (RRG) spielte die eigenständige Sicherung von Frauen keine Rolle mehr, galten doch Alters-sicherungsprobleme von Frauen mit der Einführung des Erziehungszeitengesetzes als abgeschlossen. Diskutiert wurden zu jener Zeit lediglich die durch die ungünstige demographische Entwicklung prognostizierten Finanzierungsprobleme der Rentenversicherung. Deshalb wurden bereits im Vorfeld der sozialpolitischen Diskussion Alternativvorschläge, die grundlegende und systematische Veränderungen bedeutet hätten, abgewehrt. Das Stichwort "Kostenneutralität" beherrschte die Debatte. Was sollten da Frauen, für die 1986 erstmalig ein Erziehungsjahr eingeführt wurde, noch weiter beanspruchen? Denn unangefochten war für die an der Rentengesetzgebung Beteiligten, daß Beitragsgerechtigkeit und Lohnbezug die tragenden Säulen des Versicherungssystems darstellen. Von sozialem Ausgleich sprach niemand mehr. Da jedoch aus der Perspektive der Frauenforschung auch mit der Rentenreform von 1986 die Alterssicherungsprobleme der Frauen als ganz und gar nicht gelöst gelten können und der seit 1988 vorliegende Entwurf für ein Rentenreformgesetz (RRG) keine grundsätzliche Verbesserung versprach, sollte mit unserem Projekt die Problematik noch einmal aufgerollt und nicht nur unter Experten diskutiert werden. Ein wichtiger Gesichtspunkt unserer Analyse war die Berücksichtigung der veränderten Lebensperspektiven und - verläufe von Frauen und die Frage, ob das Rentenrecht und auch die Rentenreform für Frauen angemessen ist. Erst die Ausdifferenzierung der Erwerbsverläufe im Kohortenvergleich und die genaue Untersuchung der Auswirkungen des Rentenreformgesetzes auf unterschiedliche Frauengruppen läßt eine Einschätzung der Reform zu.

Wie in allen anderen politischen Bereichen hat der historisch nicht vorhersehbare deutsche Einigungsprozeß auch in der Rentenfrage die Probleme neu aufgerollt. Damit war nicht nur eine notwendige Erweiterung unserer Aufgabenstellung und des Forschungsgegenstandes erforderlich, vielmehr hat die Veränderung der politischen Situation gerade die Frauenfragen im Ost-West-Vergleich neu auf die Tagesordnung gesetzt. Denn schon sehr bald erwies sich die so schnell und anscheinend reibungslose Übertragung der Rechtsordnung auf die DDR-Verhältnisse im Hinblick auf die konkrete Lebenssituation und die Zukunft der Rentnerinnen in den neuen Bundesländern als problematisch, bedurfte es vielfältiger Proteste, aber auch sozialpolitische Nachbesserungen, um den politischen Konsens in dieser Frage vorläufig zu gewährleisten. Nicht zuletzt hat somit der deutsch-deutsche Einigungsprozeß den politischen Druck verstärkt, die eigenständige Sicherung der Frau noch einmal grundsätzlicher zu diskutieren.

Für Unterstützung und Beratung bei der Durchführung des Projektes haben wir vielfältigen Dank zu sagen, zunächst und vor allem der Hans-Böckler-Stiftung, die durch die Bereitstellung von Forschungsmittel das Projekt für zwei Jahre großzügig gefördert hat. Durch die engagierte und kompetente Betreuung des Forschungsprojektes von Dr. Erika Mezger (Abteilung Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung) kam es zu einer anregenden Zusammenarbeit mit dem Projektbeirat der Hans-Böckler-Stiftung, der sich aus Expertinnen und Experten der Einzelgewerkschaften, Wissenschaft, Fachverbänden und Politik zusammensetzte. Das dabei über zwei Jahre intensiv geführte Gespräch war für die Projektbearbeiterinnen eine wichtige Erfahrung und zugleich Kontrolle ihrer Analysen und Vorschläge, da sich hier aus der Frauenperspektive Notwendiges und Wünschenswertes mit dem Realitätsprinzip politischer und gesellschaftlicher Verhältnisse traf und zugleich bewähren konnte.
In der Vorbereitung des Projektes half uns das Interesse und die Unterstützung der Abteilung Frauen der IG-Metall, insbesondere Elisabeth Vogelheim und Inge Döbbeling-Lutkat in Zusammenarbeit mit der Abteilung Sozialpolitik.
Unser Dank gilt aber auch allen, die uns in unserer Arbeit durch Rat und Tat unterstützt haben, insbesondere Michael Roth, Roland Wittmann und Siegrun Barth vom Verband Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR), Ulrich Stolz (BfA) für die Durchführung von Berechnungen, Wolfgang Weirich für die Unterstützung bei der sekundärstatistischen Auswertung und die Erstellung von Graphiken, Susanne Stück für Hilfe bei den Schreibarbeiten und nicht zuletzt Lotte Rahbauer, die durch umsichtige Betreuung des Manuskripts und Erstellung der Tabellen das Ganze für den Satz vorbereitet hat.[…]




Frankfurt am Main, im Juli 1992 Ute Gerhard
Karin Prinz
Mechthild Veil